Der Kaiserkult
Mit der Gründung des Prinzipats durch Augustus umfasste der neu einführte
Kaiserkult alle Formen der religiösen Verehrung der regierenden und der
verstorbenen römischen Kaiser sowie der kaiserlichen Familie.

Frühe Kultstätten waren das viersäulige Tempelpaar
der „Roma und des
Augustus“
in Pula und der sechssäulige
Tempel in Nimes für die beiden verstorbenen Enkel Gaius und Lucius des Kaisers.
Die Tempel befanden sich üblicherweise in unmittelbarer Nähe des Forums.

In Nemausus (Nimes) wurde im Jahr 5 ein Tempel für die beiden verstorbenen Enkel Gaius und Lucius des Kaisers Augustus errichtet.

Die Stadt Vienna (Vienne) wurde um 29/ 28 v.u.Z. durch Oktavian in der römischen Provinz Gallia Narbonensis gegründet. Der Tempel des Augustus und seiner Gattin Livia diente dem Kaiserkult. Die Fassade aus einer Reihe von sechs Säulen, die das Gebälk tragen, beherrschte das Forum. Er ist der besterhaltene römische Tempel Frankreichs und bildet ein Pendant zum Kaiserkulttempel in Nemausus (Nimes).
Der „Roma und Augustus Altar“ von Lugdunum (Lyon) wurde
am 1.August 12 v.u.Z. geweiht.
Auf den Säulen stehen einander zugewandte Victorien, die Kränze halten.
Die Vorderseite des rechteckigen Blocks ist mit einem Kranz geschmückt (Coreona
Civica), der von 2 aufrechtstehenden Lorbeerzweigen eingerahmt wird. Rechts und
links neben den Zweigen stehen 2 nackte männliche Figuren. Die Inschrift ROM ET
AVG befindet sich unterhalb des Altars.

Der gut erhaltene Tempel der Roma und des Augustus in Ankara, dem antiken Ancyra in Galatien, wurde im Lauf der Geschichte in eine Moschee umgewandelt. Die Tempelmauer enthält die einzige weitgehend vollständige Inschrift der Res gestae divi Augusti, des Rechenschaftsberichtes des ersten römischen Kaisers Augustus in lateinischer und griechischer Sprache. Nach dem Standort des Tempels wird die Inschrift auch als Monumentum Ancyranum bezeichnet.
Der Tempel maß etwa 36 × 55 Meter. Er stand auf einem zwei Meter hohen Podium mit acht Stufen. Vor der Schmalseite befanden sich 8 Säulen und 15 an der Längsseite.


Obige Ansichtskarte und Foto zeigen die längsseitigen Tempelreste des in die moderne Börse verbauten Tempels des vergöttlichten Kaisers Hadrian. Er stand am Marsfeld und wurde durch den Kaiser Antoninius Pius im Jahr 145 eingeweiht. Früher wurde er irrtümlich als Tempel des Neptun, wie auf der alten Anschichtskarte vermerkt, angesehen.
"Der Bau war ein Tempel auf einem jetzt in der Erde steckenden Podium von wahrscheinlich acht korinthischen Säulen der Schmal- und fünfzehn der Langseiten, von denen noch elf aufrecht stehen." Curtius Nawrath "Das antike Rom" 4. Auflage Schroll Verlag Wien München 1963

Der verstorbene Kaiser wurde auf Senatsbeschluss in den antiken Götterhimmel aufgenommen. In dem danach stattfindendem Staatsbegräbnis wurde der Leichnam dem Scheiterhaufen übergeben. Es erfolgte die Verbrennung im öffentliche Akt der Weihe (consecratio).
"Die Antoninus-Pius-Säule wurde zu Ehren des römischen Kaisers Antoninus
Pius von seinen Adoptivsöhnen und Nachfolgern Mark Aurel und Lucius Verus
errichtet. Sie befand sich nicht weit von der Stelle seiner Einäscherung auf dem
Marsfeld (Campus Martius) in Rom.
Die Basis ist aus Marmor und wurde vom Künstler Heraklides geschaffen. Der
Säulenschaft war aus rotem Granit. Eine Steinbruchinschrift zeigt, dass sie
bereits im Jahr 106 n. Chr. hergestellt wurde. Auf der Frontseite des
Säulenfußes wird die Vergöttlichung (Apotheose) des Kaisers und seiner Gattin
Faustina dargestellt. Sie werden vom geflügelten Genius Aion in den Himmel
getragen. Die Basis wurde im Jahr 1703 auf der Piazza Montecitorio gefunden. Bis
dahin war die Säule allein von einem Sesterz bekannt, den Mark Aurel anlässlich
der Errichtung der Säule hat prägen lassen und der das Porträt des Antoninus
Pius mit der Umschrift DIVUS ANTONINVS auf der Vorderseite, die Säule mit der
Statue des Antoninus und der Umschrift DIVO PIO auf der Rückseite zeigt. Die
Säule des Antoninus Pius selbst war zersägt worden, um bei der Restaurierung des
Meridians für das nahe gelegenen Solarium Augusti eingesetzt zu werden. Nur der
obere Teil war noch vorhanden. Die Basis der Antoninus-Pius-Säule ist heute in
den Vatikanischen Museen ausgestellt. Gleich östlich des Fundortes der Basis
befindet sich die Mark-Aurel-Säule." Wikipedia
Nach der erfolgten Konsekration konnte die Reise zum Götterpantheon stattfinden. Der Kaiser fuhr entweder auf einem geflügelten Vierspänner gen Himmel oder wurde durch den Herrn des Zeitalters in Gestalt eines geflügelten Götterjungen geleitet. Der Pfau als Vogel der Juno ersetzt bei der Konsekrationsmünze der Faustina den Adler des Jupiter. Als Symbol der Apotheose tritt er hier Psychopompos (Seelenbegleiter) in Erscheinung.

Von den vergöttlichten Kaisern wurden Kultbilder angefertigt, die zu den festgelegten Riten verwendet wurden. Die schweizer Briefmarke zeigt eine Kult-Goldbüste des Mark Aurel aus Aventicum (Avenches, 33 cm; 1,6 kg). Das Bildnis wurde zu feierlichen Anlässen bei Prozessionen durch die Stadt getragen.