Naturgottheiten (Flüsse, Berge)

 

Flussgötter

Die unzähligen Flussgötter der griechischen Mythologie sind Söhne des Titanenpaares Okeanos und der Tethys. Sie zeugten auch etwa dreitausend Nymphen, die Okeaniden.

Das Wasser quellt aus der Erde und der Strom ist das Sinnbild für Vergänglichkeit, obwohl er unvergänglich ist. Aus diesem Grund sind solche Orte von prophetischer Natur. Deshalb spricht man von chtonischen (= erdbezogenen) Gottheiten.

Ein anderer wasserbezogener Aspekt ist der Grenzcharakter eines Flusses. Er gilt als Numen für den Übergang über die Grenze. Dies erklärt auch, warum die Römer gerne Flüsse als Grenze hatten und nicht Gebirge. Flussgötter gehören der Erfahrungsreligion an und sind damit im Unterschied zu Göttern der Offenbarungsreligionen keine Sache des Glaubens. Der Flussgott ist die Gestalt gewordene Atmosphäre, die der Fluss ausstrahlt. Gestalt gewordene Atmosphären heissen im Lateinischen numina. Der Mensch ist von ihnen betroffen und reagiert mit dem, was wir Kultus nennen. Kultus ist Kultivierung des Betroffenseins von Atmosphären.

Der Landschaftsbezug der Flüsse führt schliesslich noch zu einer wichtigen Eigenschaft. Die Flüsse bringen den Menschen Nahrung. So werden Flussgötter gerne mit Füllhorn dargestellt. Alternativ tauchen auch Schiffe auf, die einerseits den Handel symbolisieren, andererseits die Getreideflotten meinen können. Gewässer beeinflussen so auch das Klima, was zur Folge hat, dass Gottheiten der Flüsse und Seen Heilcharakter zuteil werden kann. (wie das milde Klima von Kurorten).

 

In den Dakerkriegen des Kaisers Trajan überschritten die Römer die Donau, der als die Grenze zu den Dakern galt. Der gut gelungene Übergang wurde dem Wohlwollen der Flussgottheit zugeschrieben. Beim Überqueren fremder Flüsse wurden diesem geopfert.

Der rumänische Briefmarkenblock zeigt ein Detail der Trajanssäule. Der Flußgott schaut auf die Donaubrücke, die von den Legionen überquert wird.

 

Marcianopolis wurde vom römischen Kaiser Trajan (89–117) nach dem zweiten Dakerkrieg (105−106) in der Provinz Thracia gegründet. Ab 194 gehörte die Stadt zur Provinz Moesia inferior. Marcianopolis war ein wichtiges strategisches Zentrum. Die Provinzialmünze des Kaisers Macrinus (217-218) und seines Sohnes Diadumenianus bildet rückseitig den lokalen Flußgott Potamos sitzend an einem Fels gelehnt ab.

Der "Flußgott Tigris" ist ein Teilstück des Parther-Denkmals des Lucius Verus, das heute in der Wiener Hofburg zu sehen ist. Die Bruchstücke des Siegesmonumentes wurden anfang des 20. Jahrhunderts durch österreichische Archäologen in Ephesos entdeckt. Man vermutet daß das Denkmal in der Nähe der Celsus-Bibliothek stand.

Die Faustina-Thermen wurden durch eine Stiftung der Kaisergattin Faustina Minor im 2. Jahrhundert in Milet errichtet. Im Frigidarium (Kaltwasserbad) befand sich eine Statue des Flußgottes Maiandros (Mäander).

 

Die beiden Statuen des Flussgottes Marnas befinden sich im Ephesos-Museum Selçuk. Der ephesische Flussgott wurde auf Provinzialmünzen des Kaisers Domitian abgebildet.

 

Flussgott Nilus

"Die lebenswichtige Bedeutung des Nils für die Landwirtschaft und damit die Nahrungsmittelversorgung Ägyptens in der Antike wird deutlich an den zahlreichen Darstellungen des Flußgottes auf den alexandrinischen Münzen. Die alljährlichen Überschwemmungen lieferten den fruchtbaren Nilschlamm, der reiche Ernten brachte. Wie entscheidend eine hohe Überflutung und entsprechend reichliche Schlammablagerungen für gute Erträge waren, zeigt sich daran, daß die zu leistenden Abgaben der Bauern sich nach dem jeweiligen Höchstwasserstand eines Jahres bemaßen. Zur Feststellung dieses Pegels diente ein sogenannter Nilometer, ein streng verschlossenes Gehäuse, in dem der Pegel an einer Skala abzulesen war. Diese Ablesung war ein sakraler Akt, der von Priestern vorgenommen wurde. Ein Pegel von sechzehn hellenistischen Ellen wurde dabei als wünschenswerter Normalfall angesehen und ist auf vielen Münzen mit der Abbildung eines ruhenden Nilus angegeben als Zeichen, daß für die kommende Ernte nun nichts mehr zu befürchten sei."  Quelle Numismatikforum

 

Nilus lagert nach links auf einem Krokodil und hält Schilfrohr und Füllhorn.

 

 

 

Die auf der Rückseite der alexandrinischen Hemidrachme abgebildete Euthenia lagert nach links und hält Ähren und Mohn.

"Euthenia ist die griechisch-ägyptische Göttin oder der personifizierte Geist des Wohlstands, der Fülle und des Überflusses.

Sie entstammt ursprünglich dem ägyptischen Pantheon. Dort war sie eng mit dem Nil verbunden. Sie holt ihre Gaben aus der tiefen Erde, die mit dem Wasser des Flusses fruchtbar wurde. Es heißt, sie produziere die Früchte der Erde durch ihre Vereinigung mit dem Nil.
Sie war noch im antiken Rom bekannt und geschätzt. In der römischen Ära symbolisierte der Gott Nilus die Jugend und das Nilwasser, während die mütterliche Euthenia als die vom Nil bewässerten landwirtschaftlichen Felder begriffen wurde. Auf dem Fluss können ihre Geschenke, das Getreide auch weiter transportiert werden.
Die Rolle des vom Nilwasser gedüngten Bodens geht ursprünglich auf die Göttin Isis zurück. Daher ergab sich auch eine enge Verbindung zwischen den beiden Göttinnen, die oft auch als Isis-Euthenia bezeichnet wurden. Im antiken Ägypten erlangte Euthenia den Status einer wichtigen Göttin, auf Augenhöhe mit Isis.
Euthenia wurde schließlich vom griechischen Pantheon übernommen. Ihre Schwestern sind in den griechischen Mythen Philophrosyne, Eupheme und Eucleia. Zusammen mit ihnen gehört sie zu den jüngeren Grazien, Töchter einer der älteren Grazien, nämlich der Göttin Aglaia. Ihr Vater ist Hephaistos.

Oft wird Euthenia auch mit der römischen Abundantia verglichen. Sie wird auch immer wieder mit den Göttinnen Demeter und Ceres in Verbindung gebracht. Sie scheint jedoch eine spezifischere Göttin als diese sehr allgemeinen Fruchtbarkeitsgöttinnen zu sein, denn sie steht in direktem Zusammenhang mit dem Anbau des Getreides.
Euthenia wird daher meist mit Kornähren dargestellt, die sie in einem Arm hält, im anderen trägt sie oft ein Füllhorn.

Bekannt wurde die Göttin Euthenia vor allem ab 11/10 v.u.Z. durch die Prägung von alexandrinischen Münzen, auf denen sie dargestellt i
st." Quelle: Wikipedia

Der Doppel-Heckraddampfer SS Karim (Baujahr 1917, Lytham Shipbuilding Engineering Co Ltd./GB, Länge 72 m, Breite 10 m, Tiefgang 1,30 m) wurde von den letzten ägypischen Königen Fuad und Faruk bis 1952 genutzt. Er ist bis heute als Nil-Fahrgastschiff aktiv.

 

Neuzeitliche Darstellungen von Flußgöttern

 

 

 

 

Berggötter

Im Süden der zentralanatolischen Hochebene ragt das Vulkanmassiv Erciyas Dagy (Argaios), der heilige Berg Kappadokiens, empor. Er ist mit 3916m der höchste Berg Kleinasiens. Das Massiv bildet eine Kraterlandschaft mit drei Haupterhebungen ähnlich dem sizilischen Ätna.

Nördlich davon liegt Kaisareia (Caesarea) "am Argaios", die ehemalige Hauptstadt und Verwaltungszentrum der römischen Provinz Cappadocia. Das fruchtbare Gebirgsmassiv hat drei höhenabhängige Wirtschaftszonen (Obst- und Weinanbau, Getreideanbau sowie Weidewirtschaft). Das war auch in der Antike so. Die Gegend war eine "wasser- und vegetationsreiche Insel" im kargen Umland (Strabon).

Man verehrte den Berg Argaios seit hethitischen Zeiten deshalb als Natur- und Fruchtbarkeitsgott. Der Berg war somit heilig und göttlich.

 

Kaisereia war eine kaiserzeitliche provinziale Münzstätte mit enormen Prägevolumen. Argaios ist der mit Abstand am häufigsten dargestellte heilge Berg bzw. Berggott der Antike überhaupt. Die Bergdarstellungen sind quasirealistisch, haben einen deutlichen Wiedererkennungswert.

Auf der Münze des Kinderkaisers und syrischen Sonnenpriesters Elagabal ist im Revers Argaios als Agalma auf altarartiger Basis dargestellt.

 Als Agalma wurde im antiken Griechenland ein Kleinod bezeichnet, seit 600 v.u.Z. ein Weihgeschenk und seit dem 5. Jahrhundert v.u.Z. ein Götterstandbild.

 

Die Münze des letzten Kinderkaisers der severischen Dynastie Alexander Severus zeigt rückseitig Argaios, davor eine viersäulige Tempelfront, links und rechts davon je eine große Preiskrone oder-urne. Der Berg ist deutlich mit seinen drei Hauptgipfeln zu sehen.

"Spiele und Wettkämpfe haben im Gesellschafts- und Wirtschaftsleben der griechischen Poleis stets eine große Rolle gespielt. Gegen Ende des zweiten und im dritten nachchristlichen Jahrhundert wurden aber in zahlreichen Städten Kleinasiens auffallend häufig agones ausgerichtet, bzw. neu eingeführt. Dafür gab es verschiedene Gründe: ein Zusammenhang bestand sicherlich mit den römischen Militäroperationen ab dem 2. Jh. n. Chr., so dem großen Feldzug gegen die Parther, den Caracalla seit 213 n. Chr. vorbereitete, und der das Heer ab 215 n. Chr. durch Kleinasien führte. In den großen Etappenstationen wurden auf Anordnung des Kaisers ab 213 n. Chr. Amphitheater und Rennbahnen gebaut, um für den hohen Besuch und seine Entourage gerüstet zu sein. Großzügige Aufwendungen seitens des Kaisers oder der römischen (Militär-)Verwaltung für die zahlreichen Sportereignisse mochten auch den zusätzlichen Aspekt gehabt haben, durch recht glanzvolle Spiele die lokale männliche Jugend für eine Karriere im römischen Heer zu animieren. Die großen Ausgaben, die den Städten im Zuge dieser Aktionen erwuchsen, ließen den Bedarf an lokalen Münzen steigen. Unter diesen Prägungen tauchen nun auffallend häufig Münzen auf, deren Rückseiten Bezug auf Festspiele nehmen." Quelle: Forum Archaeologiae - Zeitschrift für klassische Archäologie "KRANZ, KRONE ODER KORB FÜR DEN SIEGER"

 

Auf dem Revers der Silberdrachme des Hadrian sieht man den Berg Argaios mit stehender Figur. Die Darstellung kann auf die Wohnstatt des Berges für den Gott hindeuten oder eine quasimenschliche Personifikation des Gottes symbolisieren.

 

 

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